Mir platzt der Schädel! Bin mit ordentlichem Schnupfen gestern von Seattle in Richtung Georgetown University für einen Talk aufgebrochen und irgendwie klappt das mit dem Druckausgleich nicht so ganz wenn die Nebenhöhlen zu sind. Durfte auch mal wieder feststellen, dass mal so eben über den Kontinent fliegen echt nicht mein Ding ist. Grade hab ich außerdem erfahren, dass mein Flieger erst um zehn vor sechs geht, jetzt ist gerade mal 3. Ähhhhtz. Also nutzte ich mal schnell die Zeit und das freie Wifi am Dulles Airport und schreib etwas Blog. War ziemlich ruhig in letzter Zeit. Also was ist denn alles passiert: Flo und Stefanie waren zu Besuch, aber das ist ja schon wieder Monate her, also gilt das nicht. Dann hat sich zwei Woche später noch der Wille mit zwei seiner Karohemdkollegen für einen Kurztrip entschlossen, auch ein alter Hut. Halloween war zwischendrin auch noch und wir hatten eine lustige Maskenball-Party unter dem Motto: Everything is allowed as long as the mask is on. Uiuiu, klingt ganz schön schlüpfrig, und das ganze dann auch noch mit einem Haufen Franzosen. Dummerweise hat sich vorher keiner überlegt, dass es unter den ollen Masken sofort affig heiß wird und deshalb haben eigentlich alle auf frivole Rollenspielchen im Separée verzichtet und sich lieber nach ner halben Stunde die Sauna vom Gesicht gerissen und statt dessen mit Bier vollgeschüttet...

Die Frenshies mal wieder! Tststst...
Yeah James! Rock'n Roll!!!
Was denn?
Das große Ereignis war natürlich letzte Woche die Wahl. Hier sind alle im absoluten Obama Fieber seitdem. Ich hab die Wahlnacht in einem Club mit Liveübertragung zusammen mit etwa 500 Demokraten verbracht, und später dann mit etwa der gleichen Anzahl besoffener Transvestiten vorm Pike Place Market. Aber dazu später mehr. In Seattle ist es ziemlich schwierig, überzeugte Republikaner (75% Obama!) zu finden, dementsprechend war das Publikum in besagtem Club sehr parteiisch. Zur allgemeinen Erheiterung wurden McCain und Palin Voodoo-Puppen inklusive Nadeln rumgereicht, die Cocktails waren alle blau gefärbt und Fox News war ausdrücklich vom Kabeltuner gelöscht worden. Jede noch so kurze Einspielung vom neuen Messias wurde frenetisch bejubelt und wenn sich doch irgendwann mal der Alte mit dem Drüsenprobleme oder die Alaska-Grinsekatze auf den Bildschirm verirrt hatten, flog alles möglichen Gemüse durch die Luft, begleitet von dem gellendsten Pfeifkonzert. Nicht dass das alles irgendwie nötig gewesen wäre, die Umfragen zuvor und die geradezu dilletantischen Auftritte von McC in den TV-Debatten hatten ja eigentlich schon jegliche Spannung zerstört. Andererseits ist Amerika ja immer noch Amerika, und man munkelt, dass hier schon ganz andere Gülle gekocht worden ist... Gegen die geballte Wahlwerbekompetenz von zahllosen Rappern, TV-Sternchen, Talkshowmoderatorinnen und Footballspielern hatte Johnny Boy dann auch tatsächlich keine Chance und um nicht mal halb neun war schon Schicht im Schacht. Aus Höflichkeit hatte NBC auch nur auf den Schluss der Wahllokale an der Westküste gewartet bis zu der euphorischen Einspielung: NBC has called it! Obama ist the new president elect. Diese zwei Sätze waren genug, um einen Raum voller erwachsener Menschen in absolute Extase und Freudentränen zu stürzen. Wenn man bedenkt, wie wahnsinnig uns Europäern George W schon in den letzten acht Jahre auf den Keks gegangen ist, dann kann man erahnen, wir sehr jeder halbwegs aufgeklärte Amerikaner gelitten haben muss. Und diese ganze angestaute Frustration hat sich wirklich in einem einzigen Augenblick auf ungemein positive Weise entladen. McCains Concession Speech ging im allgemeinen Jubel ziemlich unter und als Obama dann persönlich für die Siegesrede in Chicago auf die Bühne geklettert ist, war auf einmal absolute Stille im Raum und die Menschen haben ihrem neuen Messias wirklich an den Lippen gehangen. Es ist schon unglaublich, wie sehr die Amerikaner ihre Idole brauchen an die sie alle ihre Erwartungen und Hoffnungen knüpfen können. In diesem Moment hat man aber plötzlich auch dieses Phänomen Amerika gespürt: Der feste Glaube an fast vergessene Werte wie Freiheit, Demokratie, und die Vorstellung, dass jeder einzelne sein Land verändern kann. Man kann über die USA denken was man will, aber für diesen kurzen Augenblick hat man das alles wirklich greifen können. Mit der Magie war’s dann aber auch gleich wieder vorbei, als die ganze Meute mit dem kollektivem God bless America singen angefangen hat. Naja, sind halt doch ein etwas anderer Schlag... Das war aber bisher mit Abstand mein amerikanischster Augenblick hier.
Weil irgendwann gegen 11 so eine nervige Coverband angefangen hat, ohnehin schon schlechte Rocksongs aus den 90ern zu verhunzen und man bekanntlich historische Momente unter freiem Himmel verbringen sollte, haben wir uns im Anschluss dann noch ins total ausgeflippte Seattler Nachtleben gestürzt. Rund um Pike Place Market (die Seattle-Kundigen werden wissen wovon ich rede) war ein einziges Straßenfest. Die Leute sind mit Schampusflaschen unterm Arm durch die Gegend gewankt, lagen sich Freude- und Blauer-Cocktail-trunken in den Armen und haben einfach nur gefeiert. Der Höhepunkt war eine Gruppe Drag Queens auf dem Dach eines der benachbarten Häuser. Die hatten da eine komplette PA aufgebaut und jeden der es hören oder nicht hören wollte mit Klassikern des 80er Jahre Glamour-Rocks beschallt. Was ein Fest...
Nachtrag: Rückflug ist überstanden. Meine Ohren haben beim Landen seltsam geknarzt. Ist das schlimm? Immerhin hatte ich einen netten Sitznachbarn. Einen Althippy und professionellen Vermieter/Luftgitarrenspieler aus Ithaca. Wir haben die ganzen 5 Stunden über Politik, die Gesellschaft und das Leben an sich gequatscht. Sehr interessant. Im Anschluss noch ein paar Fotos in wilder Reihenfolge als kleiner Bonus. Besonders gelungen finde ich Willes nassen Hintern.
Waldorf and Stadler
Ich hab mir die Space Needle immer viel groesser vorgestellt...
Pilze suchen...
... unter feindlichem Feuer
Franck sucht schon mal Deckung
Pilze gibts hier keine, schoen isses aber trotzdem
Wille bei traditioneller Kneip-Tour
Und anschliessend beim traditionellen in-der-Unnerbux-durch-den-Wald-fahren
Tue, 09.09.2008 11:33
Flo, your car is bigger than m y flat in Jyväskylä!!!!