Der Schnee ist da!

Sunday, December 14. 2008

All das Snow-Dancing hat sich endlich ausgezahlt, der langersehnte Schnee ist da. In den Bergen hat es schon Donnerstag Nacht kräftig angefangen und der für gestern groß angekündigte Schneesturm ist mit einem Tag Verspätung in Seattle angekommen. Um 5 war ich noch mit einigen Leuten am Greenlake beim Walk of Light. Rund um den See haben sie (elektrische) Kerzen aufgestellt, dazu gibt es Christmas Carrols und heisse Schokolade. Die ersten Flocken sind da schon gefallen und es war verdammt weihnachtlich. Überhaupt hat sich die Stadt, typisch amerikanisch, für die Weihnachtszeit herausgeputzt. In den meisten Vorgärten versuchen sich die Nachbarn mit immer pompöserer Beleuchtung zu übertreffen und um so ziemlich jeden Baum im Stadtgebiet sind Lichterketten gewickelt. Den absoluten Höhepunkt bietet Candy Cane Lane in der ziemlich wohlhabenden Ecke der Ravenna Nachbarschaft. Da hat es inklusive einem Karussel die mit Abstand farbenprächtigste Dekoration und das ganze macht seinem zuckersüßen Namen alle Ehre.

Candy Cane Lane mit Karussel

Noch mehr Candy Cane Lane, leider nicht sehr gut zu fotografieren...

Weihnachtsdeko vor meinem Haus

Mittlerweile schneit es wie verrückt und ich konnte nicht widerstehen, Hank und seinen Vierradantrieb auf Queen Anne und der Mount Baker Neigborhood auszuprobieren. Hatte die Strassen ziemlich für mich und Hank hat den Test mit Bravour bestanden. Teilweise hat man echt nicht viel gesehen, und wenn es weiter so runter macht dann ist hier morgen Polen offen...

Ein Haufen Schnee in Wallingford

Meine Ski stehen bereit und sobald die Strassen geräumt sind geht es raus in die Berge. So ziemlich alle Resorts im Umkreis habe heute aufgemacht. Es soll die nächste Woche noch ordentlich weiterschneien und obendrauf auch noch saukalt werden.

Gestern war ich auf Capitol Hill im Kino in Milk. Das ist ein Biopic über den ersten bekennden Homosexuellen der in Amerika in ein öffentliches Amt gewählt worden ist. Dummerweise haben sie ihn nach nichtmal einem halben Jahr gleich vorsorglich erschossen. Der Film ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen (Sean Penn exzellent, wie immer...), und wenn irgend möglich sollte man ihn sich auf Capitol Hill im Egyptian Landmark anschauen, nach dem Castro in San Francisco die zweite Schwulen und Lesben Hochburg in Amerika und ein wildes Sammelsurium an Ex-Hippies, Drag Queens und Punks. Die Leute sind wirklich mitgegangen, haben bei jeder Szene mit bigoten konservativen Politiker gebuht und wollten nach dem tragischen Ende überhaupt nicht gehen. Ein echtes Erlebnis...

Vancouver (und doch kein Whistler)

Thursday, December 4. 2008

Eigentlich sollte ich jetzt im schönsten Champaign-Powder toben. Alles würde passen: Sonnenschein, sackkalt, nette Gesellschaft, neues Paar Ski. Nur eins fehlt: der Schnee!!! Was ein Mist. letztes Jahr war im November schon absolutes Schneechaos, dieses Jahr ist absolut tote Hose. Whistler hat zwar traditionsgemäss am Thanksgiving Wochenende aufgemacht, aber das hätten sie wohl besser gelassen. 40cm Schneedecke sind nicht wirklich der Kracher. Und all die armen Schweine die trotzdem angereist sind durften sich zusammen auf dem Gletscher prügeln. Wir haben deshalb unseren Skitag kurzfristig abgesagt, dafür gabs halt heute Meetings. Aber im neuen Jahr machen wir nochmal einen Anlauf. In der Forschung gibt es ja Gott sei Dank genug Vorwände warum man sich treffen muss...

Vancouver ist wie immer trotzdem nett. Hab mich gestern mit Josef und Ali besoffen und wärend einigen langweiligen Talks auf der Konferenz erstaunlich viel Code zusammenbekommen. Sollte ab jetzt immer im Hörsaal programieren, das monotone Vortragen im Hintergrund ist ungemein stimulierend. Bin grade vom Kino (Madagaskar 2, sehr lustig) zurück ins Hotel gekommen und die lustigen Kanadier haben in der Zwischenzeit mal eben den kompletten Teppich aus dem Gang vor meinem Zimmer rausgerissen. Die Bude ist eh sehr seltsam. Ich könnte schwören das ist original Ostberliner Platte. Die müssen direkt nach der Wende nach Marzahn gefahren sein und so ein Ungetüm Asbestbaustein für Asbestbaustein hierher verfrachtet haben. Holiday Inn sollte sich was schämen. Dafür ist es gerade gegenüber von BC Cancer Research und die Aussicht ist nicht schlecht. Kommt aber nicht gegen den Kafferaum im 15. Stock von BCCR an:

Blick auf Yaletown über English Bay. So muss man Kaffee trinken...

Morgen früh werd ich dann wieder zurück nach Seattle heizen. Das wird bestimmt so richtig ätzend. Freitags rollt den ganzen Tag lang die Blechlawine über die Grenze...


Thanksgiving Tip an die Oregon Coast

Friday, November 28. 2008

Gestern war bekanntlich Thanksgiving und ich hab mich mit Frank und Sarah bei einer ihrer Kolleginnen und ihrem Mann vollgefressen. Um halb drei ging das Gelage los und gegen acht war dann der letzte Gag durch. Bin mehr oder weniger dirket vom Esstisch in mein Bett gerollt. War wirklich ein hartes Stück Arbeit... Heute früh bin ich dann mit Deepayan und Frau in Richtung Orgon Coast für einen Roadtrip über die Thanksgiving Holidays aufgebrochen. Hat dummerweise den ganzen Tag geregnet und wir haben von der Küste noch nicht allzuviel gesehen. Wir sind dann kurzerhand nach Portland gefahren und haben gerade lecker beim Chinamann gegessen. War schon wieder zuviel. Traditionell wird am Tag nach Thanksgiving die Weihnachtsdeko ausgepackt und Portland blityt und blinkt schon ganz fröhlich in voller Weihnachtsbaum-Pracht. Die "Altstadt" von Portland ist wirklich sehr schön und immer einen Besuch wert. Mittlerweile hat es auch aufgehört zu regnen wir haben noch einen schönen Stadtspaziergang gemacht. 

Auf dem Weg sind wir über Long Beach gefahren. Und das ist wörtlich gemeint! Long Beach, Washington (nicht California) ist ein etwa 30 km langer Stand kurz vor der Grenze zu Oregon. Und auf dem darf man mit dem Auto fahren. Hank und ich hatten unseren Spass, endlich konnte ich mal wieder den Vierradantrieb einschalten. Ist aber schon seltsam, man ist an diesem wunderschönen wilden Strand mitten im Nix und tuckert im Auto an der Brandung entlang. Der Sand war zum Teil aber doch ziemlich tief, die Abschleppunternehmen in Long Beach müssen ein Vermögen machen. Das über die Dünen springen will wirklich gelernt sein, und einmal hatte ich drei von vier Rädern schon ziemlich tief eingegraben. Der unglaublich starke Rückenwind muss uns am Ende aber wieder rausgepustet haben...

Hank am Strand

Der wilde wilde Pazifik

Jetzt hau ich mich mal noch im erstaunlich sauberen Ramada Hotel vor die Glotze und verdaue den Chinafrass und mit Sicherheit auch noch Teile vom Thanksgiving-Gelage. Morgen geht es schon früh weiter in Richtung Tillamook und Canon Beach. Dann soll auch das Wetter besser werden. Wenn ich da auch ein Wifi finder werde ich berichten. Bis dahin noch dieses kleine Spetzerl Amerikanischen Weihnachtskitschs. Ohne Worte...

Bodyworks

Tuesday, November 18. 2008

Das wollte ich schon seit Ewigkeiten posten:

Professioneller kann man so einen Unfallschaden gar nicht mehr ausbessern. Da bekommt der Ausdruck "duct taping" doch gleich mal eine ganz neue Dimension...

Dicker Kopp

Friday, November 14. 2008

Mir platzt der Schädel! Bin mit ordentlichem Schnupfen gestern von Seattle in Richtung Georgetown University für einen Talk aufgebrochen und irgendwie klappt das mit dem Druckausgleich nicht so ganz wenn die Nebenhöhlen zu sind. Durfte auch mal wieder feststellen, dass mal so eben über den Kontinent fliegen echt nicht mein Ding ist. Grade hab ich außerdem erfahren, dass mein Flieger erst um zehn vor sechs geht, jetzt ist gerade mal 3. Ähhhhtz. Also nutzte ich mal schnell die Zeit und das freie Wifi am Dulles Airport und schreib etwas Blog. War ziemlich ruhig in letzter Zeit. Also was ist denn alles passiert: Flo und Stefanie waren zu Besuch, aber das ist ja schon wieder Monate her, also gilt das nicht. Dann hat sich zwei Woche später noch der Wille mit zwei seiner Karohemdkollegen für einen Kurztrip entschlossen, auch ein alter Hut. Halloween war zwischendrin auch noch und wir hatten eine lustige Maskenball-Party unter dem Motto: Everything is allowed as long as the mask is on. Uiuiu, klingt ganz schön schlüpfrig, und das ganze dann auch noch mit einem Haufen Franzosen. Dummerweise hat sich vorher keiner überlegt, dass es unter den ollen Masken sofort affig heiß wird und deshalb haben eigentlich alle auf frivole Rollenspielchen im Separée verzichtet und sich lieber nach ner halben Stunde die Sauna vom Gesicht gerissen und statt dessen mit Bier vollgeschüttet...

Die Frenshies mal wieder! Tststst...

Yeah James! Rock'n Roll!!!

Was denn?

Das große Ereignis war natürlich letzte Woche die Wahl. Hier sind alle im absoluten Obama Fieber seitdem. Ich hab die Wahlnacht in einem Club mit Liveübertragung zusammen mit etwa 500 Demokraten verbracht, und später dann mit etwa der gleichen Anzahl besoffener Transvestiten vorm Pike Place Market. Aber dazu später mehr. In Seattle ist es ziemlich schwierig, überzeugte Republikaner (75% Obama!) zu finden, dementsprechend war das Publikum in besagtem Club sehr parteiisch. Zur allgemeinen Erheiterung wurden McCain und Palin Voodoo-Puppen inklusive Nadeln rumgereicht, die Cocktails waren alle blau gefärbt und Fox News war ausdrücklich vom Kabeltuner gelöscht worden. Jede noch so kurze Einspielung vom  neuen Messias wurde frenetisch bejubelt und wenn sich doch irgendwann mal der Alte mit dem Drüsenprobleme oder die Alaska-Grinsekatze auf den Bildschirm verirrt hatten, flog alles möglichen Gemüse durch die Luft, begleitet von dem gellendsten Pfeifkonzert. Nicht dass das alles irgendwie nötig gewesen wäre, die Umfragen zuvor und die geradezu dilletantischen Auftritte von McC in den TV-Debatten hatten ja eigentlich schon jegliche Spannung zerstört. Andererseits ist Amerika ja immer noch Amerika, und man munkelt, dass hier schon ganz andere Gülle gekocht worden ist... Gegen die geballte Wahlwerbekompetenz von zahllosen Rappern, TV-Sternchen, Talkshowmoderatorinnen und Footballspielern hatte Johnny Boy dann auch tatsächlich keine Chance und um nicht mal halb neun war schon Schicht im Schacht. Aus Höflichkeit hatte NBC auch nur auf den Schluss der Wahllokale an der Westküste gewartet bis zu der euphorischen Einspielung: NBC has called it! Obama ist the new president elect. Diese zwei Sätze waren genug, um einen Raum voller erwachsener Menschen in absolute Extase und Freudentränen zu stürzen. Wenn man bedenkt, wie wahnsinnig uns Europäern George W schon in den letzten acht Jahre auf den Keks gegangen ist, dann kann man erahnen, wir sehr jeder halbwegs aufgeklärte Amerikaner gelitten haben muss. Und diese ganze angestaute Frustration hat sich wirklich in einem einzigen Augenblick auf ungemein positive Weise entladen. McCains Concession Speech ging im allgemeinen Jubel ziemlich unter und als Obama dann persönlich für die Siegesrede in Chicago auf die Bühne geklettert ist, war auf einmal absolute Stille im Raum und die Menschen haben ihrem neuen Messias wirklich an den Lippen gehangen. Es ist schon unglaublich, wie sehr die Amerikaner ihre Idole brauchen an die sie alle ihre Erwartungen und Hoffnungen knüpfen können. In diesem Moment hat man aber plötzlich auch dieses Phänomen Amerika gespürt: Der feste Glaube an fast vergessene Werte wie Freiheit, Demokratie, und die Vorstellung, dass jeder einzelne sein Land verändern kann. Man kann über die USA denken was man will, aber für diesen kurzen Augenblick hat man das alles wirklich greifen können. Mit der Magie war’s dann aber auch gleich wieder vorbei, als die ganze Meute mit dem kollektivem God bless America singen angefangen hat. Naja, sind halt doch ein etwas anderer Schlag... Das war aber bisher mit Abstand mein amerikanischster Augenblick hier.

Weil irgendwann gegen 11 so eine nervige Coverband angefangen hat, ohnehin schon schlechte Rocksongs aus den 90ern zu verhunzen und man bekanntlich historische Momente unter freiem Himmel verbringen sollte, haben wir uns im Anschluss dann noch ins total ausgeflippte Seattler Nachtleben gestürzt. Rund um Pike Place Market (die Seattle-Kundigen werden wissen wovon ich rede) war ein einziges Straßenfest. Die Leute sind mit Schampusflaschen unterm Arm durch die Gegend gewankt, lagen sich Freude- und Blauer-Cocktail-trunken in den Armen und haben einfach nur gefeiert. Der Höhepunkt war eine Gruppe Drag Queens auf dem Dach eines der benachbarten Häuser. Die hatten da eine komplette PA aufgebaut und jeden der es hören oder nicht hören wollte mit Klassikern des 80er Jahre Glamour-Rocks beschallt. Was ein Fest...
Nachtrag: Rückflug ist überstanden. Meine Ohren haben beim Landen seltsam geknarzt. Ist das schlimm? Immerhin hatte ich einen netten Sitznachbarn. Einen Althippy und professionellen Vermieter/Luftgitarrenspieler aus Ithaca. Wir haben die ganzen 5 Stunden über Politik, die Gesellschaft und das Leben an sich gequatscht. Sehr interessant. Im Anschluss noch ein paar Fotos in wilder Reihenfolge als kleiner Bonus. Besonders gelungen finde ich Willes nassen Hintern.

Waldorf and Stadler

Ich hab mir die Space Needle immer viel groesser vorgestellt...

Pilze suchen...

... unter feindlichem Feuer

Franck sucht schon mal Deckung

Pilze gibts hier keine, schoen isses aber trotzdem

Wille bei traditioneller Kneip-Tour

Und anschliessend beim traditionellen in-der-Unnerbux-durch-den-Wald-fahren




Backwards Bush Countdown

Tuesday, November 11. 2008

Wir habens fast überstanden...



Blackberries & Klopapier

Saturday, September 6. 2008

Hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich kann echt keine Brombeeren mehr sehen. War letztes Wochenende mit Franck und Sarah blackberry picking. Das Teufelszeug wächst hier überall wie blöd, und das fröhliche Beerenklauben ist sowas wie ein Nationalsport geworden. Mit ordentlich Tupperschüssel bewaffnet haben wir dann mal gute zwei Stunden drauflosgelpflückt, bei wunderbarstem Wetter (der Sommer ist zurück und bleibt laut Vorhersage auch noch mindestens zwei Wochen...), im schönen Magnussen Park mit Blick auf Lake Washington. Bei solch einer Fülle an köstlichen Beeren für Umme wird man ja gerne mal gierig, und am Ende waren sämtliche Behältnisse prall gefüllt. Jetzt geht natürlich das eigentliche Problem los: Was machen mit dem ganzen Zeugs? Drei Blackberry Pies und einen fürchterlich übersäuerten Magen später war die Hälfte immer noch da. Also noch schnell zwei Gläser Marmelade eingekocht, und den Rest in den nächsten Tagen als Fernseh-Snack gemampft. Ich hab jetzt seit einer Woche ständig schwarze Finger, eines der beiden Marmeladengläser ist aber auch schon weggefuttert. Lecker!

In einer Sitzung nach meinem letzten grocery trip habe ich übrigens äusserst besorgniserregende mafiöse Verbindungen zwischen der hiesigen Papierindustrie und den Herstellern von Verpackungsplastikfolie aufgedeckt. Das Klopapier, das ich gerade erst erstanden habe, ist, wie man das kennt, in Plastik eingeschweist. Wenn man diese Folie entfernt, kommt man nicht etwa an das ersehnte Hygieneprodukt. Nein! Man hält ein weiteres Plastikgebinde in den Händen, diesmal vier säuberlich angeordnete Rollen. Das macht ja vielleicht noch irgendwie Sinn, wenn man nicht den ganzen Riesenbatzen auf dem Gästeklo deponieren will, aber der grosse Skandal kommt ja erst noch: Jede einzelne der vier Rollen ist seinerseits nochmal in Plastik eingeschweist! Gut die Hälfte meines Klopapiers ist also klimaschädliches Polyethylen, und dessen nicht vorhandene reinigenden Eigenschaften muss ich wohl nicht weiter hervorheben... Zudem ist man im Falle eines papierenen Engpasses auf dem Schacht dazu gezwungen, sich duch unzählige Lagen Plastikfolie zu kämpfen! Ein Skandal sondersgleichen! Ich habe den ganzen umweltmordenden Witz von Klopapier übrigens wieder in den Laden zurückgebracht. Naja, fast den ganzen. Zwei Rollen hab ich aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen behalten müssen. Soweit geht die Umweltliebe dann doch nicht. Die Austauschpackung hat übrigens immer noch zwei Lagen Plastik. Bessere gehts nicht. Das hat zumindest der pickelige Regalfüll-Bubi im Safeway gesagt.

Der Klopapier-Plastikfolien-Wahnsinn in Bild (ohne Ton)